Verwaltungsgemeinschaft Reichersbeuern

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Ortsgeschichte

Gegründet wurde Sachsenkam wahrscheinlich im Zuge der Ansiedlungsmaßnahmen Karls des Großen im 8./9. Jahrhundert.

Karte von 1837

Der  Fund einer keltischen Tierkopffibel aus der Latene Zeit verrät, dass sich bereits 500 - 400 v. Christi Geburt Menschen auf dem Gebiet des heutigen Sachsenkam aufgehalten haben.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens finden wir auf drei Schenkungsurkunden im Cartular (Besitzverzeichnis) des Klosters Ebersberg aus dem Jahr 1010. Unter den sechs Zeugen steht an erster Stelle Adalpero de Sahsincheim, der erste bekannte "Herr  von Sachsenkam". Urkundlich bezeugt wird Sachsenkam auch durch die "Tegernseer Verlustlisten" aus den Jahren 1017 - 1020, in denen das Kloster Tegernsee 93 Ortschaften zurückforderte, die ihm von Herzog Arnulf 907 - 914 weggenommen worden waren. Aus der Rodungsgeschichte unseres Gebietes und dem Ortsnamen erschließt sich aber ein weitaus höheres Alter unseres Dorfes: Rund um den Königshof Warngau wurden um  das Jahr 800 Rodungsinseln in das zusammenhängende Waldgebiet des Allgaus geschlagen, heute noch zu erkennen an den Namensendungen auf -kam, -ham und -heim. Zu diesen Rodungsorten gehörte auch Sachsenkam. Aus der ältesten Form des Ortsnamens kann man entnehmen, dass das Dorf von einer Siedlergruppe gegründet wurde. Da Karl der Große um 800 an die 10.000 Sachsen in kleineren Gruppen verteilt mit Rodungs- und Besiedlungsaufträgen in der Nähe seiner Güter ansiedelte, kann mit Recht angenommen werden, dass unser Ort (wie auch Saxenkam am Samerberg) von Sachsen gegründet wurde und daher rund 1200 Jahre alt ist.
Um 1010 ist Sachsenkam im Besitz Adalperos de Sahsincheim aus der Verwandtschaft der mächtigen, hochadeligen Grafen von Ebersberg. Sein Sohn Bernhard wird 1068 als Vogt des Klosters Tegernsee genannt, er mehrt das Ansehen und den Besitz der Herren von Sachsenkam ganz beträchtlich. Als er 1102, auf dem Höhepunkt seiner Macht, ohne männlichen Erben stirbt, erlischt mit ihm das Geschlecht der Herren von Sachsenkam. Die Gemeinde führt ihr Wappen, eine Hirschstange auf rotem Grund, als Gemeindewappen fort.
1127 treten in Sachsenkam mit Alban de Sehsenchaim Ministeriale  (Beamte) des Klosters Tegernsee als Verwalter und Richter auf. Die Ministerialen übten ihr Amt im Dienste des Klosters bis 1470 aus. 1430 wird ein Ingram V. von Sachsenkam als zum Landstand gehörig  erwähnt, d.h.  die Familie ist in den niederen Landadel aufgestiegen. Mit Georg Sachsenkamer von Speck stirbt das Geschlecht der landständischen Herren von Sachsenkam aus.

1475 wird die Hofmark Sachsenkam vom Herzog an Caspar Winzerer II. als Lehen vergeben. Er war auch Pfleger von Tölz und ein bedeutender Mann - reich und mit großen Fähigkeiten ausgestattet, wirkte er als Staatsmann und Gesandter im Dienst des Bay. Herzogs Albrecht, ja sogar des Kaisers Maximilian I.. Sein noch bedeutenderer Sohn Kaspar Winzerer III. wurde an "höffen und bey grossen herren erzogen", zeichnete sich als Feldhauptmann des Bayerischen und des Kaiserlichen Heeres aus und verdiente sich den Titel "Goldener Ritter". 1515 wurde er Pfleger von Tölz und Herr von Sachsenkam. Er verstarb 1542 an den Verletzungen, die er sich mit 77 Jahren bei einem Turnier zuzog und wurde in der Tölzer Stadtpfarrkirche beigesetzt. Sein Sohn Hanns Caspar, genannt "von Winzern" erhiet ebenfalls Dorf und Hofmark Sachsenkam zu Lehen, hinterließ aber keine Nachkommen. In der Zeit zwischen 1498 und 1558 ist wohl auch die Sachsenkamer Burg abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Sie stand westlich des Dorfes am Eglsee, wurde um das Jahr 1000 als Edelmannssitz aus Holz erbaut und war, von einem wassergefüllten Ringgraben umgeben, eine der wenigen Wasserburgen Oberbayerns. Heute steht an der Burgstelle das "Burggraber" Anwesen. Durch Erbe und Zukauf wurde Christoph von Pienzenau alleiniger Inhaber der Hofmark Sachsenkam, ab 1577 gehören auch Schloß und Hofmark Reichersbeuern zu seinem Besitz. Seine Tochter Anna, Gräfin Papafaba, stiftete 1606 die Loretokapelle auf dem Reutberg und 1618 in Erfüllung eine Gelübdes das Kloster Reutberg. Johann Christoph von Preysing kaufte 1628 die Hofmarken Sachsenkam, Reichersbeuern und Greiling für 50.000 Gulden. Sein Nachkomme, Graf Maximilian V. von Preysing, war von 1803 - 1827 ein väterlicher Patron seiner Bauern und veranlasste, dass die "Gmaingründe" als Nutzwald und Wiesen den Bauern als Eigentum gegeben wurden. Er förderte den Unterricht an den Dorfschulen durch Umwandlung von Messbenefizien in Schulbenefizien, die Schulbedarf und Lernmittel finanzierten.

Im Dreissigjährigen Krieg wurde unser Dorf 1632 und 1633 von schwedischen Landsknechten heimgesucht, die plünderten und fünf Bauernhöfe anzündeten. Wie viele Tote die Pest forderte, ist nicht überliefert. Die große Not der Bevölkerung zeigt aber der Bau der Pestkapelle " Zum kostbaren Blut" am südlichen Ortsausgang, gestiftet von Hans Dietenhauser, dem Hofmarkswirt. Im Österreichischen Erbfolgekrieg, während der sog. "Pandurenjahre" 1742 - 1745 hatte der ganze Isarwinkel unter Plünderungen und Gräueltaten zu leiden. Am Überfall auf die Beute und Kriegskasse des österreichischen Generals Herberstein im Zeller Wald waren auch Sachsenkamer Bauern beteiligt. Sein Adjutant Gondola und fünf Panduren wurden dabei getötet, die Kriegskasse nach Sachsenkam gebracht und der Inhalt des mitgeführten Pulverwagens in der Kirchseefilzen verstreut. Als Oberst Trenck in den Isarwinkel kam, um Rache für den Überfall zu nehmen, wütete er vor allem in Gaißach entsetzlich. Sachsenkam blieb weitgehend verschont. Am Aufstand der Bauern in der "Sendlinger Mordweihnacht" 1705 waren auch vier Sachsenkamer beteiligt. Nur Kaspar Höger, der " Müller unterm Reutberg" (heute Babenberg), konnte in einen Heustadel flüchten und überlebte das grausame Morden.
Seit 1628 waren die Hofmarken Sachsenkam, Reichersbeuren und Greiling unter der Herrschaft der Grafen Preysing vereint. Seit 1978 haben sich die drei selbständigen Gemeinden zum Wohl der Bürger zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen.


Die Hofmarksherrin Anna von Pienzenau und ihr Ehemann Graf Jacob Papafaba kehrten von einer Wallfahrt nach Loreto in Italien mit einer Kopie des dortigen Gnadenbildes zurück und ließen auf dem schönsten "gereuteten" Hügel ihrer Grafschaft eine Kapelle nach den Maßen des " Hl. Hauses  von Nazareth" errichten - die erste Loretokapelle in Bayern. Sie wurde 1606 eingeweiht und war bald das Ziel vieler Wallfahrer. Als Graf Papafaba, nach einem Mordanschlag auf seine Ehefrau, mit kostbarem Besitz nach Italien floh, gelobte die unglückliche Gräfin, im Falle einer glücklichen Wendung zur Kapelle ein Kloster bauen zu lassen. Sie erhielt das geraubte Gut zurück, das Kloster wurde errichtet, 1618 eingeweiht und von drei Kapuzinerinnen aus Pfanneregg in der Schweiz mit frommen Leben erfüllt. 1651 schloss sich der Konvent der Bay. Franziskanerprovinz an und musste von da an strenge Klausur halten. Den Lebensunterhalt verdienten sich die Schwestern mit kunstvollen, bald sehr geschätzten Handarbeiten (Fatschnkindl, Reliquienfassungen u.v.m.) und durch die Herstellung verschiedenster Heilmittel in der Klosterapotheke. Zwei bis drei Patres wirkten als Seelsorger auch für die Wallfahrer. 1677 wurde für den Haustrunk ein kleines Brauhaus errichtet. Der Kurfürstl. Hofkammerrat Christian von Raßfeldt stellte für einen Neubau des mittlerweile beengten und baufällig gewordenen Klosters sein Vermögen zur Verfügung. 1731 wurde der Klosterbau in seiner heutigen Form fertiggestellt und 1735 die erweiterte, barocke Wallfahrtskirche eingeweiht. So entstand ein würdiger geistlicher Ort für 30 Nonnen und die Schätze des Klosters: Das bethlemitische Jesuskind, die Barockkrippe und die Klosterapotheke mit ihrem geschnitzten Mobiliar und kostbaren Gefäßen.
Bei der Säkularisation 1802 wurde das Kloster enteignet und zum Aussterbekloster bestimmt. Nach dem Rückkauf für 30.000 Gulden erlaubte König Ludwig I. den Fortbestand, dafür mussten die  Schwestern einwilligen, die Mädchen der Dörfer Sachsenkam und Piesenkam zu unterrichten. 1938 - 1958 wurden alle Grundschüler im Kloster unterwiesen. Ergänzende Infos (Artikel vom Haus der bay.Geschichte.)
Eine besondere Rolle im Klosterleben spielte die Ordenschwester Fidelis Weiß. Die aus Kempten stammende Schwester Fidelis hatte intensive mystische Visionen und starb 1923 im Alter von 40 Jahren im Ruf einer Heiligen. Sie ist in der Klosterkirche beigesetzt.
Weil der Ordensnachwuchs fehlte, beabsichtigte das Erzbischöfliche Ordinariat ab 2012 den Konvent aufzulösen. Zu dieser Zeit gründeten sich der " Verein der Freunde des Klosters Reutberg e.V." mit dem Ziel, die Schwestern zu unterstützen und für die Restaurierung der Klosterkirche Spenden zu sammeln. Beim Ringen um die Auflösung des Konvents standen den Franziskanerinnen die  "Sachsenkamer Gruppe" und die Bevölkerung durch vielfältige Aktionen erfolgreich zur Seite. 2018 kam aus Rom die Erlaubnis zum vorläufigen Fortbestand des Konvents auf dem Reutberg mit drei Schwestern.
Aus dem kleinen Brauhaus des Klosters ist ab 1924 eine Brauereigenossenschaft geworden, deren Biere sehr geschätzt sind und mehrfach ausgezeichnet wurden.
(Christa Rührmair)

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Buch über Sachsenkam

Anläßlich der 1000-Jahr Feier im Jahre 2020 enstand dieses Buch. Es erzählt von der Entstehung und Entwicklung unseres Dorfes, von wichtigen Ereignissen und bedeutenden Persönlichkeiten, aber auch vom Alltag seiner Bewohner. Die Gemeinde Sachsenkam bedankt sich herzlich bei den Autoren dieses Buches , die ehrenamtlich mit großartigem Engagement dieses Werk geschaffen haben.

Das Buch kostet 14,50 Euro und ist erhältlich bei:
Dorfbäckerei Lipp, Lebensmittelgeschäft Nah + Gut Portisch, Kopierladen Pummer und Elektro Slawik.

Wappen Sachsenkam

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